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Bewerbungstipps!

 
Die Gruppe der Jobsuchenden mit Behinderung ist so unterschiedlich wie vielfältig. Da wird es zur großen Herausforderung allgemeine Ratschläge zu geben. Unsere Tipps beruhen auf unseren Erfahrungen aus den letzten 9 Jahren in der Beratung von Jobsuchenden mit Behinderung und Unternehmen.

 

 

1. Zeigen Sie was Sie KÖNNEN!

Strichmännchen streckt einen Finger in die HöheWenn Sie selbst die eigenen Kompetenzen in den Vordergrund stellen, können das auch die Gesprächspartner in den Unternehmen.

Der Behinderung sollte so viel Raum gegeben werden wie nötig, um dem Unternehmen zu zeigen, welche Auswirkungen und ganz besonders Nicht-Auswirkungen Ihre Behinderung auf den beruflichen Alltag hat. Im Bewerbungsschreiben hat die eigene Krankengeschichte keinen Platz und im Bewerbungsgespräch ebensowenig.

 

 

 

2. Lassen Sie sich BERATEN!

Zwei Strichmännchen die miteinander sprechen. In einer Sprechblase ist ein Fragezeichen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Behinderungen, daher gibt es auch viele unterschiedliche Beratungsstellen zum Thema Arbeit und Behinderung.

Wir raten ganz klar dazu, sich an eine passende Beratungsstelle zu wenden. Eine Möglichkeit sind sogenannte Arbeitsassistenzen. Sie haben das Ziel, langfristig und individuell die Arbeitssuche und die Anfangsphase im Job zu begleiten. Viele mögen sich jetzt vielleicht denken: „So eine Unterstützung brauche ich nicht! Wie schaut denn das aus, wenn mich da jemand zum Bewerbungsgespräch begleitet?“

Inwiefern die Arbeitsassistenz unterstützt, ist immer individuell. Die Organisationen Arbeitsassistenz für AkademikerInnen mit Behinderung (ABAk) und das Institut zur beruflichen Integration (IBI) beraten beispielsweise zum überwiegenden Teil im Hintergrund. Der zukünftige Arbeitgeber oder die zukünftige Arbeitgeberin bekommt davon nichts mit. Der Vorteil für die Jobsuchenden mit Behinderung liegt in der Expertise der BeraterInnen und oftmals auch in deren Netzwerken aus Unternehmen. Diese kostenlose Unterstützung sollte genutzt werden. 

„Wie finde ich die richtige Arbeitsassistenz für mich?“ Gerne vernetzen wir zur richtigen Organisation, wenn Sie uns über unser Service Center eine Anfrage stellen. Überblick über alle österreichischen Arbeitsassistenzen können Sie sich auch unter www.neba.at verschaffen.

 

3. Entscheiden Sie bewusst wie, wann und ob Sie über die Behinderung SPRECHEN!

Zwei Strichmännchen die miteinander sprechen. In der Sprechblase ist ein Rollstuhl-Zeichen. Ob die Behinderung im Bewerbungsschreiben thematisiert werden soll oder nicht, wird kontrovers diskutiert. Viele BeraterInnen tendieren eher dazu, davon abzuraten. Insbesondere wenn es sich um eine nicht sichtbare Behinderung handelt.

Bei Stellenanzeigen, die Sie über unsere myAbility.jobs Jobsuche gefunden haben, handelt es sich um Unternehmen die explizit offen für BewerberInnen mit Behinderung sind. Es mag überraschen, aber wir bekommen oft die enttäuschte Rückmeldung von hochmotivierten Unternehmen, dass sie zu wenige Bewerbungen von Menschen mit Behinderung erhalten.
Also raten wir dazu, in der Bewerbung die Behinderung unspezifisch zu erwähnen. Unser Ziel ist, dass wir Unternehmen die "Angst" vor BewerberInnen mit Behinderung nehmen. Mit unseren Beratungen gelingt uns das. Dadurch bedeutet die Erwähnung der eigenen Behinderung durchaus einen Vorteil im Auswahlverfahren. Beispielsatz für die Bewerbung: "Ihre Stellenanzeige habe ich über die Jobplattform myAbility.jobs gefunden. Ich gehöre der von Ihnen angesprochenen Zielgruppe der Jobsuchenden mit Behinderung an."

Kommt dann der ersehnte Anruf und die Zusage für ein Bewerbungsgespräch, sollte bei Bedarf die Barrierefreiheit abgeklärt werden. Dadurch wird einem selbst und der Ansprechperson im Unternehmen die Chance für eine respektvolle und angenehme Gesprächssituation gegeben.

 

4. Seien Sie ihr eigener EXPERTE / ihre eigene EXPERTIN!

Ein Strichmännchen zeigt auf ein Board mit SymbolenEs gibt die unterschiedlichsten Behinderungen. Das Gegenüber im Bewerbungsgespräch ist mit Sicherheit nicht der/die ExpertIn für dieses Thema. Daher liegt es am Bewerber und an der Bewerberin das Expertenwissen über ihre Behinderung und die alltags- und berufsspezifischen Zusammenhänge darzustellen.
Ein Beispiel dafür: Ein zukünftiger Vorgesetzter glaubt, jemand mit einer Höreinschränkung könne nicht gut in einem Sekretariat eingesetzt werden, da damit ja das Telefonieren nicht gut möglich sei.

Als BewerberIn muss man hier proaktiv erklären, dass es technisch beispielsweise die Möglichkeit einer Induktionsschleife gibt, womit das uneingeschränkte Telefonieren möglich ist.
Als Experte oder Expertin für das eigene Leben und die eigenen Kompetenzen wird Unwissenheit und Vorurteilen selbstbewusst und vorbereitet begegnet. Dadurch überzeugen Jobsuchende ihr zukünftiges Unternehmen von ihren Stärken.

 

5. KENNEN Sie sich AUS!

Ein Strichmännchen liest ein Buch mit Paragraphen auf dem Einband. In Österreich gibt es das Behinderteneinstellungsgesetz zur Integration von Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt.

Der von uns durchgeführte Chancenbarometer hat jedoch gezeigt, viele Unternehmen sind darüber nicht genug informiert.
Es gibt auch viele Förderungen und Unterstützungsleistungen für ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen. Detailinformationen dazu bietet die Website www.arbeitundbehinderung.at.

Für Unternehmen ist es natürlich attraktiv, das Behinderteneinstellungsgesetz zu erfüllen und auch von Förderungen zu profitieren. Das kann auch ein gutes Argument für den oder die BewerberIn mit Behinderung sein. Durch Unterstützungsleistungen, Steuererleichterungen etc. wird ein behinderungsbedingter Mehraufwand ausgeglichen.
Selber als BewerberIn darüber gut informiert zu sein, ist ein Vorteil, den man nicht vergeben sollte. So kann Fragen und mitunter auch Fehlinformationen kompetent begegnet werden.